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Wie klingt Gottes Zukunft?

Ein geistliches Motto-Lied zum Papstbesuch in Freiburg

Melodie mit Klavierbegleitung und Akkordsymbolen  |  Melodie mit Akkordsymbolen  |   Video

Der Papstbesuch ist in aller Munde. Aber was singt man in der Erzdiözese, um sich darauf einzustimmen? Traditionen der Papstmusik sind beachtlich, vom gregorianischen Gesang "Tu es Petrus" bis zum Papsthymnus von Franz Liszt. Und neuerdings kommen mehr oder weniger humorvolle Songs hinzu. Das Amt für Kirchenmusik geht einen etwas anderen Weg, um dem Großereignis in Freiburg einen klangvollen Akzent zu verleihen.

 

Nach etlichen Anfragen aus Gemeinden und von Religionslehrern wurde der biblische Impuls der Psalmen zur ersten Inspiration: "Singet dem Herrn ein neues Lied!" Der "Grundton" ist das Motto "Wo Gott ist, da ist Zukunft", das jedoch mit seinen lakonisch kurzen Silben und vielen harten Konsonanten einer Vertonung nicht gerade entgegen kommt. Rasch fiel die Entscheidung, das Motto als Refrain zu verwenden und es mit Versen aus dem alttestamentlichen Prophetenbuch Jesaja (Kapitel 52) zu ergänzen, um so das Thema "Gott und Zukunft" mit Vorsänger-Strophen auszuloten. Beginnt doch auch das Gebet des Erzbischofs zum Papstbesuch mit Worten des Propheten Jeremia, in denen das Freiburger Katholikentagsmotto von 1978 nachklingt: "Was Du deinem Volk Israel verheißen hast, sagst du auch uns heute zu: Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben."

 

Ein junger Komponist aus Freiburg

Luis ReichardMit Luis Reichard (geb. 1989) fand sich ein junger Komponist, der sogleich Interesse an dieser kompositorischen Aufgabe zeigte. Von Kinderzeit an ist er mit seinen Geschwistern in der Dreisamtalgemeinde St. Jakobus Stegen-Eschbach kirchenmusikalisch aktiv. Bevor er die C-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, war er bereits beim kirchenmusikalischen Diözesantag 2008 mit seiner Band auf dem Freiburger Münsterplatz zu hören. Damals erklang auch seine Vertonung des Mottos "Ihr seid Gottes Melodie". Seit einigen Jahren engagiert Luis Reichard sich improvisierend und komponierend bei der Urlauberseelsorge auf der Nordseeinsel Wangerooge. Nach Abitur und Zivildienst studiert er Jazztrompete bei Andreas Haderer an der Musikhochschule Köln. Dort trat er u. a. bei der "Cologne Jazz Night 2010" und dem Festival "Jazz against the machine" auf.
Gleich der erste Entwurf zu diesem Papstbesuch-Lied ging in die richtige Richtung und wurde sodann Schritt für Schritt präzisiert. Welche melodischen Höhenflüge sind für den Kehrvers vorgesehen? Und welche Stimmlagen für die Vorsängerteile? Das Ergebnis stieß auf Zustimmung und Kritik, wobei die positiven Stimmen überwogen. Die Beurteilung eines Liedes ist ja nicht weniger komplex als die einer Sinfonie! Und die letzte Instanz ist und bleibt die Praxis: Was kommt an, "geht ins Ohr" und dann auch ins Herz? Deshalb wurde das neue Lied am 1. Juli in der Katholischen Akademie Freiburg eingespielt. Noten und Video kann man unter obigen Links oder unter www.ebfr.de/papstlied herunterladen bzw. anschauen.

Mitwirkende dieser Aufnahme sind die bei der Jugendvigil des Papstbesuchs engagierte Band Saxobeat. Diese Band mit sechs jungen Musikern stammt aus Freiburg und spielt in der Besetzung Saxophon, Gitarre, Piano, Keyboard/Percussion, Bass und Schlagzeug. 2010 hat sie unter dem Namen WakeUp bereits bei der Internationalen Ministrantenwallfahrt in Rom die Gottesdienste der Diözesen Freiburg und Rottenburg/Stuttgart begleitet. Gegründet 2007, spielte die Band in der Anfangszeit überwiegend Jazzmusik, im Moment arbeitet sie an einem Hip-Hop-Programm mit Einflüssen aus der Jazz-, Latin-, Funk- und Popmusik. Als Sängerinnern und Sänger sind Absolventen der kirchenmusikalischen C-Ausbildung zu hören, von denen etliche inzwischen Musik studieren. "Special guest" ist Luis Reichard an der Trompete.

Saxobeat        Papstlied        Papstlied

 

Wie klingt das neue Lied?
Die Musik spielt mit dem Wechsel der Betonungen. Und ist nicht jedes Wort des Mottos wichtig und bedenkenswert? Luis Reichard beginnt mit einem eher ungewöhnlichen Akzent auf "ist", bevor die Zukunft den Singenden in einer jazzigen Abwärtsbewegung sozusagen "in den Schoß" fällt. Erst in der Mitte des eingängigen Kehrverses folgt die fast hymnische Betonung auf "Gott", bevor sich die Rhythmen beruhigen und über einen kleinen harmonischen Umweg, der nicht schwer zu singen ist, wieder den Grundton erreichen.

In den Vorsängerstrophen setzt Luis Reichard geschickt andere Akzente: von der harmonischen Eintrübung bei der "Gefangenschaft" (erste Strophe) über die Hervorhebung der prophetischen Gottesworte "Ich bin da" und "Dein Gott ist deine Zukunft" bis zum ungewöhnlichen Schluss zu den Worten "… alle Enden der Erde", weil nun der Rhythmus gedehnt wird und die vier Solisten sich zu einer mehrstimmigen Schola formieren.

 

PapstliedDer Papstbesuch kann uns – zwischen allen organisatorischen Aktivitäten – erinnern an das, worauf es wirklich ankommt. Die Botschaft, die wie ein Oberton bei allem mitklingen soll, sie heißt: Löst in und um euch die "Fesseln der Gefangenschaft", geht der Zukunft Gottes entgegen, die eure eigene sein will – und erlebt dabei, wie er selbst schon längst auf uns zukommt. Ist das alles zu abstrakt, zu theologisch? Jesaja nennt Spuren dieser Begegnung, die bis heute aktuell sind: sein heiliger Name "Ich bin da" – oft schon wurde er musikalisch meditiert – und die Freudenboten, zu denen auch der Papst sich zählen darf. Am Ende weitet sich der Horizont sogar zur universalen Heilsperspektive, was die Ergänzung des Mottos durch das Wort "Gottes Heil" durch den Komponisten verständlich macht: "Alle Enden der Erde schauen Gottes Heil". Das ebenso befreiende wie zukunftsweisende Ziel rückt alles ins rechte Licht – und manches, was wir allzu wichtig nehmen, sogar in den rechten Schatten. Das neue Papstlied von Luis Reichard soll nun dem Motto einen unverwechselbaren Klang geben und seinen Weg in Gruppen und Gemeinden finden, bevor es am 25. September vielstimmig auf dem Freiburger Flughafengelände erklingen wird.

 

Meinrad Walter



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